Meine Geschichte, die Nachtarbeit und was ich gelernt habe

Mein Lebensweg war nicht immer einfach. Aber gerade die herausfordernden Phasen haben mir gezeigt, dass wahres Glück nicht durch äussere Bestätigung, Leistung oder Anpassung entsteht. Es entsteht durch innere Klarheit, durch die Bereitschaft, ehrlich auf das eigene Leben zu schauen und vor allem durch die Liebe.

Ein wichtiger Teil dieses Weges war für mich die Nachtarbeit. Die Nächte haben mich geprägt. Sie haben mir viel abverlangt, mich aber auch gelehrt, was wirklich zählt.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Leistung hoch bewertet wird. Früh lernen wir, dass es darum geht, mitzuhalten, Erwartungen zu erfüllen und nicht zu schwächeln. Besonders in sozialen Berufen – und ganz besonders in der Nachtarbeit – wird dieses „Funktionieren“ oft still vorausgesetzt.

In der Nacht ist weniger Ablenkung da. Weniger Menschen, weniger Gespräche, weniger Lärm. Dafür mehr Verantwortung, mehr Gedanken, mehr innere Bewegung. Die Nacht konfrontiert uns mit uns selbst. Und genau dort beginnt oft die Frage: Lebe ich eigentlich so, wie es mir guttut?

Ich wurde 1994 geboren und durfte eine schöne, stabile Kindheit erleben. Mit 16 Jahren begann ich meine Ausbildung in der Pflege. Schon früh stand ich am Krankenbett, begleitete Menschen in existenziellen Situationen und lernte, dass es im Leben nicht nur um Leistung, sondern um Menschlichkeit geht.

Später arbeitete ich auch als Nachtwache. Diese Zeit war prägend. Nachts ist man oft allein verantwortlich. Entscheidungen müssen ruhig, klar und achtsam getroffen werden. Gleichzeitig ist der Körper müde, der eigene Rhythmus verschoben, das soziale Leben eingeschränkt.

In diesen Nächten habe ich viel über mich gelernt. Über meine Grenzen. Über meine Bedürfnisse. Und darüber, wie wichtig Selbstfürsorge ist – nicht als Luxus, sondern als Überlebensstrategie.

In der Pflege begegneten mir nicht nur körperliche Krankheiten, sondern auch tiefe Lebensfragen. Menschen erzählten mir von Angst, Verlust, Schuld, Beziehungskrisen und vom Glauben. 

Diese Erfahrungen führten mich zur Theologie und zur Seelsorge. Während meines Studiums arbeitete ich weiter in der Pflege und begann meine erste seelsorgerliche Tätigkeit in einem Altersheim. Auch dort spielte die Nacht eine besondere Rolle. 

Abschiede, Gespräche, Sterben – vieles geschieht im Schutz der Dunkelheit.

Ich lernte, dass ich keine Angst vor dem Tod habe. Nicht, weil er leicht ist, sondern weil er Teil des Lebens ist. Diese Erkenntnis hat meine Haltung zum Leben – und zur Nachtarbeit – nachhaltig verändert.

Mit Mitte zwanzig wurde ich selbst krank. Diese Phase zwang mich, langsamer zu werden. Ich musste lernen, auf mich zu hören, Grenzen zu akzeptieren und Verantwortung für mein eigenes Wohlbefinden zu übernehmen. Rückblickend war diese Zeit ein Wendepunkt. Sie hat mir gezeigt, dass Gesundheit nicht selbstverständlich ist – und dass Heilung immer auch von innen beginnt.

In dieser Phase entdeckte ich den Minimalismus. Ich begann, nicht nur meine Wohnung auszumisten, sondern auch mein Leben. Erwartungen, Rollenbilder, innere Antreiber und Vergleiche durften gehen.

Gerade nach Nächten im Dienst merkte ich, wie gut mir Klarheit und Reduktion taten. Weniger Reize, weniger Druck, weniger „Müssen“. Dieser Prozess begleitet mich bis heute und hilft mir, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren – besonders im Umgang mit Nachtarbeit.

Social Media zeigt uns ein scheinbar perfektes Leben: Erfolg, Gesundheit, Erfüllung. Doch gerade Menschen, die nachts arbeiten, erleben oft das Gegenteil: Müdigkeit, soziale Isolation, ein Leben ausserhalb des „Normalen“.

Ich habe gelernt, dass der ständige Vergleich unglücklich macht. Wir vergleichen unser reales Leben mit den Highlights anderer. Das raubt Energie und untergräbt den Selbstwert. Glück entsteht nicht durch Likes oder Anerkennung, sondern durch die Fähigkeit, den eigenen Weg anzunehmen.

Heute kann ich sagen: Ich bin gesund und glücklich. Nicht, weil mein Leben perfekt ist. Sondern weil ich gelernt habe, mein Glück selbst zu definieren – auch im Kontext von Nachtarbeit.

Ich weiss heute:

  • Mein Rhythmus darf anders sein.
  • Meine Bedürfnisse sind legitim.
  • Mein Wert hängt nicht von Leistung ab.

Nachtarbeit hat mich gelehrt, ehrlich mit mir selbst zu sein. Sie hat mir gezeigt, wie wichtig Schlaf, Ernährung, Beziehungen und Sinn sind. Und sie hat mir deutlich gemacht, dass Glück nichts Äusseres ist, sondern eine innere Haltung.

Mit 19 Jahren habe ich die Liebe meines Lebens kennengelernt. Auch wenn ich weiss, dass mein Glück meine eigene Verantwortung ist, trägt mein Mann viel dazu bei. Gerade in Phasen von Nachtarbeit, Müdigkeit und Erschöpfung wurde mir klar, wie wichtig gegenseitiges Verständnis und Kommunikation sind.

Eine tragfähige Beziehung bedeutet nicht, einander glücklich zu machen – sondern sich gegenseitig Raum zu geben, auch mit unterschiedlichen Rhythmen.

Meine Erfahrungen in der Pflege, in der Nachtarbeit, in der Seelsorge und in meinem eigenen Leben haben mich dorthin geführt, wo ich heute stehe. Ich begleite Menschen, die sich nach Klarheit, Gesundheit und einem stimmigen Leben sehnen – auch und gerade dann, wenn sie nachts arbeiten.

Ich weiss, wie es ist, müde zu sein und trotzdem Verantwortung zu tragen. Ich weiss, wie sich Einsamkeit in der Nacht anfühlen kann. Und ich weiss, dass es Wege gibt, gesund und glücklich zu bleiben. Genau darüber schreibe ich auch in meinem neuen Buch. 

Eine Einladung an dich

Wenn du nachts arbeitest, dich oft vergleichst oder dein Glück im Aussen suchst, möchte ich dir sagen: Du darfst deinen eigenen Weg gehen. Du darfst neu definieren, was Glück für dich bedeutet – unabhängig von gesellschaftlichen Erwartungen.

Bist du bereit, dein eigenes Glück in die Hand zu nehmen? Dann begleite ich dich gern auf diesem Weg. Mit Erfahrung, Verständnis und einem offenen Herzen. 💛

Mit meinem Buch begleite ich dich.


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