Viele von uns landen nicht zufällig in der Nachtarbeit. Auch bei mir war es kein Zufall. Rückblickend sehe ich deutlich: Es gab Erlebnisse, Entscheidungen und Menschen, die mich dorthin geführt haben – Schritt für Schritt, manchmal bewusst, manchmal einfach aus der Not heraus.
Was damals wie „es hat sich so ergeben“ wirkte, war in Wahrheit Teil eines Weges. Meines Weges. Und du hast deinen.
Wenn du heute nachts arbeitest – ganz gleich, ob freiwillig, temporär, aus Leidenschaft oder aus finanzieller Notwendigkeit – dann gibt es Gründe dafür. Und es lohnt sich, diese Gründe anzuschauen. Nicht um alles perfekt zu erklären. Sondern um dich selbst besser zu verstehen.
Denn wer seine eigene Geschichte kennt, bekommt einen klareren Blick auf die Gegenwart – und mehr Einfluss auf die Zukunft.
Warum es wichtig ist, deinen Weg anzusehen
Viele Menschen, die im Schichtdienst oder Nachtdienst arbeiten, berichten von ähnlichen Erfahrungen: Müdigkeit, Stress, innere Distanz zum eigenen Leben, das Gefühl, nur noch zu funktionieren. Wenn wir dauerhaft überfordert sind, verlieren wir oft den Kontakt zu unserer eigenen Lebensgeschichte. Der Alltag trägt uns mit, aber unser innerer Kompass geht verloren.
Genau deshalb lohnt sich ein Blick zurück: Nicht um Schuld zu suchen oder alles zu analysieren – sondern um zu erkennen, wie viel Stärke bereits in dir steckt. Was du schon gemeistert hast. Welche Entscheidungen du getroffen hast. Welche Menschen dich geprägt haben. Oft hilft allein die bewusste Erinnerung, um mehr Klarheit für die Gegenwart zu gewinnen.
Nachtarbeit kann ein Ausdruck von Verantwortung sein – aber auch das Ergebnis von Druck, Überforderung oder Zufällen. Und manchmal ist es einfach beides. Aber je mehr du deinen Weg verstehst, desto leichter wird es, bewusst für dich zu sorgen – statt nur zu reagieren.

Warum deine Geschichte Kraft geben kann
In stressigen Zeiten denken wir oft nur noch im Modus „Wie halte ich das durch?“. Doch deine Geschichte enthält mehr als nur Entscheidungen und Probleme. Sie zeigt auch deine Fähigkeiten, deine Werte, deine Ausdauer – und vielleicht auch deine Träume.
Wer sich mit der eigenen Geschichte auseinandersetzt, erkennt:
- Warum bestimmte Dinge so geworden sind.
- Wofür wir einmal brannten – und ob es noch da ist.
- Wo Veränderung möglich ist.
- Und wo wir uns selbst wieder ernster nehmen dürfen.
Wenn wir uns erlauben zu verstehen, woher wir kommen, erkennen wir auch besser, wohin wir möchten. Genau das kann der Anfang von Veränderung sein – nicht nur im Beruf, sondern auch im Umgang mit uns selbst.
Wie du beginnen kannst
Du musst nicht alles sofort beantworten. Es geht nicht darum, perfekte Antworten zu finden. Der erste Schritt ist nur: Bewusst wahrnehmen. Dir selbst zuhören. Und dich nicht zu bewerten. Du darfst neugierig sein – auf dich selbst.
Du kannst deine Gedanken in dein Notizbuch schreiben, ins Handy tippen oder eine Sprachnachricht aufnehmen. Du kannst malen, Collagen erstellen oder einfach Gedanken sammeln. Es geht nicht um Form – es geht darum, deiner inneren Stimme wieder Raum zu geben.
Denn wenn die Geschichte deutlich wird, wird auch die Richtung klarer. Und vielleicht erkennst du dann, dass Nachtarbeit nicht nur Belastung ist – sondern auch ein Teil deines Weges, der dich zu neuen Entscheidungen führen kann.
Reflexionsfragen für deinen Weg
Vielleicht hilft es dir, mit nur einer Frage zu beginnen. Oder du nimmst dir jeden Tag eine neue. Wichtig ist nur: Du darfst dir Zeit lassen. Antworten dürfen wachsen.
Reflexionsfragen:
- Wann habe ich mich entschieden, meinen Beruf zu wählen oder auszuüben?
- Wie alt war ich damals – und wie habe ich mich gefühlt?
- Welche Lebensumstände gab es zu dieser Zeit?
- Was war mir damals wichtig – privat, beruflich, menschlich?
- Wer hat mich unterstützt oder beeinflusst?
- Gab es Vorbilder oder Werte, die mich geleitet haben?
- Was war meine Motivation?
- Hatte ich damals eine Vorstellung von meiner beruflichen Zukunft?
- War mir bewusst, dass ich einmal nachts arbeiten würde?
- Wie denke ich heute über diese Entscheidungen?
- Was mir sonst noch in den Sinn gekommen ist…
Die Antworten können dich überraschen – sie zeigen nicht nur den Weg, den du gegangen bist, sondern auch den Menschen, der du heute bist.
Meine Ermutigung für dich
Du darfst dich mit deiner eigenen Geschichte befassen – liebevoll, interessiert und ohne Druck. Du musst nichts sofort verändern. Aber du darfst verstehen, warum du hier bist. Du kannst dir selbst zusprechen: Ich befasse mich liebevoll mit meiner eigenen Geschichte. Das ist kein Rückblick – sondern ein Anfang.
Alles Gute und viel Liebe
deine Simone

