Wenn du in der Nacht arbeitest, kennst du dieses Gefühl: Alles wird zu viel. Zu wenig Schlaf, zu viele Anforderungen, zu viele Gedanken. Tagsüber ruft das Leben, nachts ruft der Beruf – und dazwischen bleibst du selbst oft auf der Strecke.

Lange Zeit dachte ich, ich müsse alles schaffen. Arbeiten, studieren, funktionieren. Ich wollte alles richtig machen, für alle da sein, keine Schwäche zeigen. Doch irgendwann kam der Punkt, an dem ich merkte: Ich bin müde – nicht nur körperlich, sondern auch innerlich.

Und diese Müdigkeit war anders. Sie kam nicht nur von der Nachtarbeit. Sie kam vom Zuviel.

Damals begann ich, mich mit dem Gedanken des Minimalismus zu beschäftigen. Nicht, weil ich besonders ordentlich werden wollte oder einen Trend suchte. Sondern, weil ich spürte: Ich brauche weniger – nicht mehr.

Minimalismus hat für mich nichts mit kargen Räumen oder strengen Regeln zu tun. Es ist eine Haltung. Eine Art, das Leben bewusst zu gestalten. 

Ich begann, alles zu hinterfragen: Brauche ich das wirklich? Tut mir das gut? Oder ist es nur Gewohnheit?

Nach und nach wurde aus „weniger Besitz“ auch „weniger Druck“. Ich befreite mich nicht nur von Dingen, sondern auch von Gedanken, Verpflichtungen und Erwartungen, die mir nicht guttaten.

Gerade in der Nachtarbeit, wo der Körper ohnehin gegen seinen natürlichen Rhythmus arbeitet, ist jedes „Zuviel“ eine zusätzliche Belastung. Minimalismus hilft mir, meine Energie dort einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht wird – bei meiner Arbeit, meiner Gesundheit und meinen Beziehungen.

Vielleicht kennst du das: Nach einer Nachtschicht kommst du nach Hause, möchtest dich einfach nur hinlegen – aber dein Blick fällt auf die Wäsche, den vollen Tisch, die ungelesenen Nachrichten. Es ist, als würde das Chaos im Aussen das Chaos im Innern spiegeln.

Wenn ich mich weniger mit Dingen beschäftige, habe ich mehr Zeit und Energie für das, was wirklich wichtig ist: Schlaf, Bewegung, Begegnung – und einfach mal nichts tun.

Mit der Zeit merkte ich, dass Minimalismus auch meine Gesundheit beeinflusst. Ich ass bewusster, weil ich weniger spontan kaufte. Ich schlief besser, weil ich mich weniger ablenkte. Ich atmete ruhiger, weil meine Wohnung nicht mehr so überladen war.

Ich weiss, wie schnell man in einen Kreislauf aus Überforderung und Unruhe geraten kann: zu viele Schichten, zu wenig Schlaf, zu viel Organisation. Genau hier hilft die Reduktion.

Weniger Termine. Weniger Konsum. Weniger Vergleiche. Dafür mehr Achtsamkeit, mehr Erholung, mehr Selbstfürsorge.

Wenn du spürst, dass dein Alltag dich überfordert oder du nach der Nachtschicht keine Ruhe findest, kann Minimalismus ein Anfang sein. Hier ein paar Schritte, die mir geholfen haben:

Starte nicht mit grossen Projekten, sondern mit etwas Überschaubarem.
Nimm dir eine Schublade, eine Tasche oder einen Gedanken, den du „aufräumen“ möchtest.
Frage dich: Brauche ich das wirklich? Tut mir das gut?
Behalte nur, was dir nützt oder Freude schenkt – der Rest darf gehen.
Schon ein kleiner Anfang kann eine grosse Erleichterung bringen.

Minimalismus bedeutet nicht Verzicht, sondern Bewusstheit.
Frage dich bei jedem Kauf:

  • Brauche ich das wirklich?
  • Oder versuche ich gerade, ein Gefühl zu kaufen – Trost, Freude, Ablenkung?

Wenn du dich für den zweiten Grund ertappst, halte kurz inne.
Vielleicht reicht ein Glas Wasser, ein Spaziergang oder ein paar Atemzüge, um dich wieder zu spüren.

Statt dich mit Dingen zu belohnen, schenke dir bewusste Momente.
Mach aus Alltäglichem kleine Inseln der Ruhe – zum Beispiel:

  • eine Tasse Tee nach der Nachtschicht
  • fünf Minuten Stille vor dem Schlafengehen
  • eine Kerze anzünden und kurz den Tag verabschieden

Solche Rituale nähren dich von innen heraus – ganz ohne Ablenkung.

Digitale Reize überfluten uns, besonders in der Nachtarbeit, wenn Konzentration schwerfällt.
Nimm dir Zeit, Ordnung in dein digitales Leben zu bringen:

  • Lösche alte Nachrichten, E-Mails oder Fotos, die du nicht mehr brauchst
  • Schalte Benachrichtigungen aus, die dich ständig stören
  • Lege Handy-freie Zeiten fest, besonders vor dem Schlafen

Nicht jede Information verdient deine Aufmerksamkeit – deine Ruhe aber schon.

Minimalismus bedeutet auch, bewusst mit deiner Zeit umzugehen.
Setze Prioritäten:

  • Was ist wirklich wichtig – und was kann warten?
  • Was tut dir gut – und was raubt dir Energie?

Plane feste Erholungszeiten ein.
Trage sie dir bewusst in den Kalender ein, so wie du es mit Terminen für andere tust.
Denn deine Zeit gehört auch dir.

Weniger Ballast. Mehr Klarheit.
Weniger Lärm. Mehr Ruhe.
Weniger Müssen. Mehr Leben. 

Ich weiss, viele denken beim Wort Minimalismus zuerst an Verzicht. Aber für mich ist es das Gegenteil. Ich verzichte nicht auf Dinge – ich gewinne Raum, Zeit und Energie.

Ich habe gelernt, dass Glück nicht aus dem entsteht, was ich besitze, sondern aus dem, was bleibt, wenn ich Ballast loslasse.

Gerade in der Nachtarbeit ist das ein wichtiger Gedanke: Wir können nicht alles kontrollieren – aber wir können bewusst wählen, wie wir leben.

…dann darfst du reduzieren. Es ist keine Schwäche, sondern eine Form von Selbstfürsorge. Weniger Lärm. Weniger Druck. Mehr Schlaf. Mehr Freude. Mehr du selbst.

Minimalismus hat mir geholfen, meinen Fokus zurückzufinden – auf das, was wirklich zählt: Gesundheit, Beziehungen, innere Ruhe.
Er erinnert mich daran, dass Glück nicht aus dem entsteht, was ich anhäufe, sondern aus dem, was ich bewusst loslasse.

Vielleicht ist das auch für dich ein Impuls: Schau dich um, in deiner Wohnung, deinem Alltag, deinem Herzen – was darf bleiben, was darf gehen?

Denn manchmal braucht es nur einen kleinen Schritt weniger, um wieder mehr Leben zu spüren.

Alles Gute und Liebe, deine Simone


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